Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung)

Statistisch betrachtet werden hierzulande immer mehr Arbeitskräfte berufs- oder erwerbsunfähig und verlieren demzufolge ihre Arbeitskraft. Es handelt sich dabei um ein schwerwiegendes finanzielles Risiko, denn immerhin fällt das Einkommen in den weitaus meisten Fällen bis zum Erreichen des Rentenalters weg. Wer beispielsweise im Alter von 40 Jahren berufsunfähig wird, dem fehlt in der Summe oftmals ein Einkommen von insgesamt mehreren Hunderttausend Euro bis zum Rentenalter. Gegen dieses erhebliche finanzielle Risiko kann man jedoch absichern, beispielsweise mit dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

 

Worum handelt es sich bei der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Der wesentliche Inhalt der Berufsunfähigkeitsversicherung, die oftmals kurz als BU-Versicherung bezeichnet wird, ergibt sich schon aus deren Namen. Abgesichert werden kann nämlich der Eintritt der Berufsunfähigkeit, von dem mittlerweile auch zahlreiche Verbraucher betroffen sein können, die keiner schweren körperlichen Tätigkeit nachgehen. Die wesentliche Aufgabe der Berufsunfähigkeitsversicherung besteht darin, im Falle der Berufsunfähigkeit eine zuvor vertraglich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente zu zahlen, und zwar auf einer monatlichen Basis. Diese BU-Rente wird so lange ausgezahlt, wie die Berufsunfähigkeit besteht. Es kann also in vielen Fällen dazu kommen, dass die Berufsunfähigkeitsrente das vorherige Einkommen bis zum Eintritt ins Rentenalter ersetzen muss.

 

Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit

Ein sehr wichtiger Unterschied, den jeder Verbraucher vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung kennen sollte, besteht zwischen Erwerbsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit. Diese Unterscheidung ist übrigens auch bezüglich der staatlichen Absicherung wichtig, denn diese besteht seit geraumer Zeit nur noch gegen Erwerbsunfähigkeit. Wer hingegen berufsunfähig wird, hat aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente keine Leistungen zu erwarten. Berufsunfähigkeit wird so definiert, dass Sie Ihren erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr in größerem Umfang nachkommen können. Konkret heißt das, dass eine volle Berufsunfähigkeit dann vorhanden ist, wenn Sie nur noch weniger als drei Stunden am Tag tätig sein können.

Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeit beinhaltet die Erwerbsunfähigkeit, dass Sie nicht nur Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr nachkommen, sondern überhaupt keine berufliche Tätigkeit mehr ausführen können. Die Erwerbsunfähigkeit erstreckt sich also im Prinzip auf sämtliche Berufe und endet nicht bereits bei einer erlernten oder zuletzt ausgeführten Tätigkeit. Der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit ist auch vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu beachten, denn nicht jede Berufsunfähigkeitsversicherung leistet tatsächlich schon ab Eintritt der Berufsunfähigkeit.

 

Die Leistung der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die wichtigste Frage stellen sich Verbraucher im Zusammenhang mit der Berufsunfähigkeitsversicherung sicherlich bezüglich der Leistungen, die man im Schadensfall aus der Versicherung erhält. In dieser Hinsicht ist die Berufsunfähigkeitsversicherung sehr einfach und klar strukturiert, denn die wesentliche Leistung besteht in der Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente. Diese Rentenzahlung findet monatlich statt, und zwar so lange, wie die Berufsunfähigkeit weiter besteht. Unter Umständen ist es zu diesem Zweck von Zeit zu Zeit erforderlich, ein ärztliches Attest vorlegen zu können.

Wie hoch die ausgezahlte BU-Rente in der Praxis ist, können und müssen Versicherungsnehmer und Versicherungsgesellschaft bereits bei Vertragsabschluss vereinbaren. Hier sollten Sie als Versicherungsnehmer unbedingt darauf achten, dass die BU-Rente möglichst so hoch gewählt ist, dass sie das vorherige Einkommen ersetzen kann. Sie sollten sich in diesem Fall auch nicht auf die Zahlung der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente verlassen, denn diese wird - wie bereits erwähnt - nicht schon bei Eintritt der Berufsunfähigkeit, sondern erst bei Erwerbsunfähigkeit gezahlt. Haben Sie also beispielsweise bisher ein Nettoeinkommen von 2.000 Euro erzielt, so ist es durchaus empfehlenswert, eine BU-Rente von mindestens 1.500 Euro zu vereinbaren.

Neben der Zahlung der BU-Rente lassen sich bei vielen Berufsunfähigkeitsversicherungen noch weitere Zusatzleistungen vereinbaren, wie zum Beispiel:

  • Absicherung für den Todesfall
  • Besondere Absicherung nach Unfällen
  • Sonstige Zusatzleistungen

Insbesondere dann, wenn Familie vorhanden ist, ist es in vielen Fällen empfehlenswert, die BU-Rente als Leistung noch durch eine Absicherung für den Todesfall zu ergänzen. Ohnehin wird die Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus häufiger als Bestandteil einer Kapitallebensversicherung angeboten, sodass mehrere Absicherungen miteinander kombiniert werden können. Allerdings ist es in der Praxis meistens so, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung als Einzelversicherung zweckmäßiger und auch etwas günstiger ist.

 

Wonach richtet sich der Beitrag zur BU-Versicherung?

Insbesondere beim Vergleich der Angebote, die im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung auf jeden Fall erfolgen sollte, ist es wichtig zu wissen, wonach sich der zu zahlende Beitrag eigentlich richtet. Die Höhe der Versicherungsprämie kann grundsätzlich stark variieren, sodass Sie am Markt sowohl Angebote von lediglich 30 Euro im Monat an Versicherungsprämie bis hin zu einem Versicherungsbeitrag von über 150 Euro pro Monat finden werden. Im Wesentlichen sind es insbesondere die folgenden Faktoren, die sich auf den Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung auswirken können:

  • Alter des Versicherungsnehmers
  • Ausgeübter Beruf
  • Vorhandene Vorerkrankungen
  • Vertragslaufzeit
  • Höhe der vereinbarten BU-Rente
  • Verzicht auf abstraktes Weisungsrecht: ja oder nein
  • Optionale Vereinbarung von Zusatzleistungen

In der Hauptsache sind es die drei Faktoren Alter des Versicherungsnehmers, dessen ausgeübter Beruf sowie die Höhe der zu vereinbarenden Berufsunfähigkeitsrente, die sich auf die zu zahlende Versicherungsprämie auswirkt. Aber auch die Vertragslaufzeit kann ein Einfluss nehmender Faktor sein. Denn natürlich ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Laufzeit von lediglich zehn Jahren günstiger, als wenn die Vertragslaufzeit beispielsweise erst nach 20 oder 30 Jahren endet. Optimalerweise sollten Sie sich für eine Laufzeit entscheiden, die beim Erreichen Ihrer persönlichen Regelaltersgrenze endet. In diesem Fall sind Sie nämlich optimal geschützt und es gibt keine Lücke, die Sie bis zum Erreichen der Rente nicht geschlossen hätten.

 

BU-Versicherung sollte Verzicht auf abstraktes Weisungsrecht beinhalten

Zurückkommend auf das Thema Unterschied zwischen der Erwerbsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit ist es vor Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung und beim Vergleich der Angebote extrem wichtig darauf zu achten, dass die Versicherungsgesellschaft auf ihr sogenanntes abstraktes Weisungsrecht verzichtet. Dieses Recht beinhaltet nämlich, dass der Versicherer vom Versicherungsnehmer bei Eintritt der Berufsunfähigkeit verlangen kann, dass der Kunde eine andere Tätigkeit annimmt, als er zuletzt ausgeführt hat. Die Versicherungsgesellschaft kann dabei auf jeden anderen zumutbaren Beruf verweisen. Daher handelt es sich in diesem Fall faktisch nicht um eine Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern lediglich um eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Verzichtet die Versicherungsgesellschaft jedoch auf dieses abstrakte Weisungsrecht, so tritt die Leistungspflicht tatsächlich schon bei Beginn einer Berufsunfähigkeit ein. Achten Sie in dem Zusammenhang beim Vertragsabschluss unbedingt darauf, dass der Verzicht auf das abstrakte Weisungsrecht schriftlich fixiert wird.

 

Fazit

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist sicherlich nach wie vor die optimale Alternative, wenn Sie den Verlust ihrer Arbeitskraft zumindest finanziell absichern möchten. Aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Angebote am Markt ist ein Vergleich definitiv empfehlenswert. Sie sollten dabei allerdings nicht nur auf die Höhe der zu zahlende Versicherungsprämie achten, sondern beispielsweise auch darauf, dass im Vertrag auf das abstrakte Weisungsrecht verzichtet wird und. Zudem ist es wichtig, dass Sie sich für die individuell passende Berufsunfähigkeitsrente entscheiden.

Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr abschließen kann, sollte versuchen, mittels einer Dread-Disease Versicherung Vorsorge gegen die finanziellen Folgen eines krankheitsbedingten Verdienstausfalls zu treffen.